Inkasso-­Betrugsfirmen

Wie können Sie Inkasso-­Betrugsfirmen erkennen?

Wird eine Rechnung nicht fristgerecht beglichen, folgt die Mahnung. Die dazugehörige offene Rechnung inklusive Mahngebühr sollte so schnell wie möglich bezahlt werden, um weitere Konsequenzen zu vermeiden. Immer wieder tauchen in diesen Abläufen jedoch Inkasso-Betrugsfirmen auf, welche Verbraucher ausnutzen und die Begleichung unberechtigter Forderungen verlangen.

Doch was genau sind Inkassounternehmen? Und wie können Sie seriöse Unternehmen von Inkasso-Betrugsfirmen unterscheiden? Erfahren Sie hier auf abilita, woran Sie eine gefälschte Mahnung erkennen können und wie Sie nach dem Erhalt eines Inkassoschreibens vorgehen sollten.

1. Was sind Inkassounternehmen und was machen diese?

Sollte ein Kunde offene Forderungen nicht begleichen, haben Sie als Gläubiger die Möglichkeit, ein Inkassounternehmen zu beauftragen. Dieses sorgt dafür, dass die Schulden zeitnah beglichen werden. Das Inkassounternehmen übernimmt somit das Forderungsmanagement für seinen Kunden. Mit dem Engagieren eines Inkassounternehmens können Sie deutlich Zeit, Aufwand und Nerven sparen und Ihre offenen Forderungen werden schnell und stressfrei beglichen.

Inkassounternehmen starten mit dem Versuch, die Forderung außergerichtlich einzuholen. Hierzu muss der Schuldner mit einem Inkasso-Brief gemahnt werden. Sollte dies erfolglos bleiben, wird ein gerichtliches Vollstreckungsverfahren eingeleitet. In den meisten Fällen beginnt an dieser Stelle die Kooperation vieler Zahlungspflichtiger und die Rechnung wird beglichen. Weigert sich der Schuldner hingegen weiterhin zu zahlen, wird mithilfe eines Gerichtsvollziehers die Zwangsvollstreckung durchgeführt.

Ein Inkassounternehmen wird in der Regel erst dann beauftragt, wenn ein Schuldner nach drei Mahnungen noch immer nicht reagiert. In einigen Fällen ist jedoch gar keine vorangehende Mahnung nötig. Sollten bereits 30 Tage oder mehr nach der Rechnungsausstellung vergangen sein, ist die Mahnung überflüssig, denn der Schuldner gerät nach dieser Frist automatisch in den Zahlungsverzug.

Generell ist das Inkassobüro für die gesamte Kommunikation mit dem Zahlungspflichtigen zuständig. Des Weiteren ist das Inkassounternehmen für den Zahlungsverkehr verantwortlich. Hierfür erhält das Inkassounternehmen die entsprechende Vollmacht. Falls jegliche Maßnahmen für das Eintreiben der offenen Schuld erfolglos sind, leidet der Gläubiger unter dem Verlust.

Zusätzlich bieten Inkassounternehmen die Möglichkeit der Forderungsabtretung. Hierbei wird die offene Forderung von dem Gläubiger an das Inkassobüro verkauft. Bleibt die Begleichung der Rechnung erfolglos, trägt das Inkassounternehmen das Kostenrisiko.

 

2. Was ist ein Zahlungsverzug?

Wenn ein Schuldner seine offene Rechnung nicht fristgerecht bezahlt, befindet er sich im Zahlungsverzug. Wann genau der Zahlungsverzug eintritt, ist unterschiedlich. Sollte ein genau vereinbartes Zahlungsziel vereinbart worden sein, gerät der Schuldner nach dem Überschreiten des entsprechenden Kalenderdatums in Zahlungsverzug.

Wurde kein festes Datum als Zahlungsziel bestimmt, bestehen folgende Regelungen. Zunächst muss der Zahlungspflichtige gemahnt werden. Nach Ablauf der gesetzten Frist tritt der Zahlungsverzug ein. Eine Mahnung ist in einigen Fällen jedoch nicht notwendig. Sollte die Ausstellung der Rechnung bereits mehr als 30 Tage zurückliegen, gerät der Schuldner automatisch in den Zahlungsverzug. Eine Mahnung muss nicht zusätzlich ausgestellt werden.

Ein Unternehmen ist dazu verpflichtet, private Verbraucher auf der Rechnung darauf hinzuweisen, dass nach 30 Tagen der automatische Zahlungsverzug eintritt.

 

3. Wie erkennen Sie Inkasso-Betrugsfirmen?

Eine Mahnung führt häufig zu Stress und Panik bei den Empfängern. Diese Angst nutzen Inkasso-Betrugsfirmen für Ihren Profit aus. Um Inkasso-Betrugsfirmen von seriösen Inkassounternehmen zu unterscheiden, gilt es auf entscheidende Anzeichen zu achten.

Das Rechtsdienstleistungsgesetz schreibt vor, dass alle Inkassobüros registriert sein müssen. Dies ist ein erstes Indiz für Seriosität, da Inkasso-Betrugsfirmen in der Regel nicht registriert sind. So fehlt bei Inkasso-Betrugsfirmen der benötigte Registrierungsbescheid der zuständigen Aufsichtsbehörde.

Ob es sich tatsächlich um Inkasso-Betrugsfirmen oder um registrierte Inkassobüros handelt, können Sie im Rechtsdienstleistungsregister kostenlos prüfen. Fällt Ihnen auf, dass ein Inkassounternehmen nicht registriert ist, können Sie dies bei der zuständigen Aufsichtsbehörde melden.

Die Registrierung allein ist jedoch noch kein ausreichender Indikator für Seriosität. Auch Inkasso-Betrugsfirmen können registriert sein. Achten Sie daher auch darauf, wie das Unternehmen kommuniziert. Auf diese Weise lassen sich häufig Unterschiede zwischen seriösen Unternehmen und Inkasso-Betrugsfirmen feststellen.

Im Gegensatz zu Inkasso-Betrugsfirmen sind seriöse Inkassobüros sehr transparent und gehen auf Einwände ein. Bereits zu Beginn der Kommunikation und im ersten Schreiben sollte ersichtlich sein, von wem das Inkassounternehmen für die Begleichung der Rechnung beauftragt wurde. Des Weiteren sollte das Schreiben Informationen über das Datum des Vertragsschlusses sowie den betroffenen Vertragsgegenstand enthalten. Inkasso-Betrugsfirmen geben häufig keine Auskunft darüber und lassen diese Angaben einfach weg.

Im Gegensatz zu Inkasso-Betrugsfirmen lassen seriöse Inkassounternehmen Ihnen auch weitere Angaben, wie beispielsweise die Anschrift des Auftraggebers, zukommen. Sollte die Forderung für Sie nicht nachvollziehbar sein, ist es wahrscheinlich, dass das Schreiben von einer Inkasso-Betrugsfirma stammt. Wichtig ist dann: Ruhe bewahren, überprüfen, ob die Forderung berechtigt ist und gegebenenfalls das Inkassobüro und den Auftraggeber kontaktieren. Nur Inkasso-Betrugsfirmen verlangen die Begleichung einer nicht berechtigten Forderung.

Inkasso-Betrugsfirmen sind auch an den angegeben Fristen zur Begleichung der Rechnung erkennbar. Seriöse Unternehmen setzen angemessene Fristen. Sollte aber die Zahlungsfrist besonders kurz sein, oder bereits mehrere Tage in der Vergangenheit liegen, ist dies ein weiterer Indikator für eine Inkasso-Betrugsfirma.

4. Woran erkennen Sie eine gefälschte Mahnung?

Viele Verbraucher bezahlen die Forderungen einer Mahnung, um weitere Probleme zu vermeiden. Sie werden so schnell Opfer von Inkasso-Betrugsfirmen. Damit dies nicht geschieht, gibt es einige Tipps, welche Sie beachten sollten, um nicht von Inkasso-Betrugsfirmen ausgenutzt zu werden.

Zunächst sollten Sie sich fragen, ob die Mahnung und betroffene Forderung berechtigt sind. Sollte die Zahlung einer Rechnung versäumt worden sein, ist das dem Zahlungspflichtigen in den meisten Fällen bekannt. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Inkassobüro bereits in der ersten Mahnung konkrete Informationen zur Forderung angibt. Auf diese Weise weiß der Empfänger, welche Forderung gemahnt und wer der Auftraggeber ist. Diese Informationen können bei Mahnungen von Inkasso-Betrugsfirmen fehlen.

Auch die Angaben im Briefkopf sollten mit den restlichen Informationen im Schreiben verglichen werden. Eine Übereinstimmung ist zwingend vorgeschrieben. Mahnungen von Inkasso-Betrugsfirmen können Sie zudem auch daran erkennen, dass zwar eine deutsche Absenderadresse, aber ein ausländisches Bankkonto angegeben ist. Woher die Bankverbindung stammt, ist an den ersten zwei Buchstaben der IBAN erkennbar. Deutsche Bankverbindungen beginnen immer mit dem Länderkennzeichen “DE”.

Haben Sie den Verdacht, von Inkasso-Betrugsfirmen kontaktiert worden zu sein, sollten Sie unverzüglich zum angeblichen Auftraggeber Kontakt aufnehmen. Seriöse Unternehmen nehmen Einsprüche auf und verlangen nicht, dass unberechtigte Forderungen bezahlt werden. Des Weiteren haben Sie die Möglichkeit zu überprüfen, ob das Inkassobüro registriert ist. Inkassounternehmen in Deutschland unterliegen einer Registrierungspflicht. Viele Inkasso-Betrugsfirmen sind dementsprechend nicht registriert.

 

5. Wie gehen Sie nach einer Inkasso-Forderung richtig vor?

Sie haben eine Mahnung erhalten? Wichtig ist nun: Bleiben Sie ruhig und lassen Sie sich nicht einschüchtern. Beginnen Sie damit, zu überprüfen, ob die verlangte Forderung berechtigt ist. Ist diese berechtigt, müssen Sie die Forderung und gegebenenfalls die Mahngebühren bezahlen.

Empfehlenswert ist jedoch, vor der Zahlung alle Kosten zu überprüfen. Neben der offenen Forderung werden auch Gebühren verlangt. Sollten diese bereits in der ersten Mahnung sehr hoch ausfallen, könnten Inkasso-Betrugsfirmen involviert sein. Bei Unsicherheit haben Betroffene die Möglichkeit, sich von Experten, wie zum Beispiel von einem Rechtsanwalt, beraten zu lassen, ehe die Rechnung möglicherweise unberechtigt beglichen wird.

Im Falle einer nicht berechtigten Forderung sollte dieser unverzüglich widersprochen werden. Sie können sich hierzu sowohl bei dem Inkassounternehmen als auch bei dem angegebenen Auftraggeber melden. Auch wenn Sie weitere Zahlungsaufforderungen nach einem Widerspruch erhalten, sollten Sie eine unberechtigte Forderung keinesfalls zahlen. Inkasso-Betrugsfirmen üben nachweislich Druck aus, um die betroffenen Personen in eine Stresssituation und folglich zur Zahlung zu bewegen. Allein die Zahlung eines Teils der geforderten Summe könnte schon als Schuldanerkenntnis gewertet werden.

FAQ

Was macht ein Inkasso­unternehmen?

Ein Inkassobüro wird von Gläubigern beauftragt und hat die Aufgabe, offene Forderungen von Schuldnern einzutreiben. Dafür werden beispielsweise Mahnungen verschickt.

Müssen die Rechnungen einer Inkassofirma immer gezahlt werden?

Die Rechnung eines Inkassounternehmens muss nur gezahlt werden, wenn die Begleichung einer berechtigten Forderung verlangt wird. Nicht berechtigten Forderungen können Sie widersprechen.

Woran ist ein seriöses Inkassounternehmen zu erkennen?

Ein seriöses Inkassounternehmen ist registriert und kann Ihnen wichtige Informationen bezüglich der Forderung und des Auftraggebers mitteilen.

Über die Autorin

Marie Thamm ist gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte und absolvierte Ihre Ausbildung mit dem Schwerpunkt auf gerichtlichem und außergerichtlichem Mahnverfahren. 2019 wechselte Sie zu abilita und ist als Sachbearbeiterin für einen der größten Mandanten zuständig. Zu Ihren Aufgabengebieten gehören unter anderem die Einwandsbearbeitung und das Telefoninkasso.