Liquidität

Was ist die Liquidität, wie wird sie berechnet?

Als Unternehmen ist es wichtig, stets in der Lage zu sein, alle offenen Rechnungen fristgerecht begleichen zu können. Nur so können finanzielle Probleme in der Zukunft vermieden werden. Die Liquidität eines Unternehmens kann berechnet und anschließend bewertet werden. Doch was genau ist die Liquidität? Wie wird sie berechnet? Erfahren Sie hier, was die Folgen einer mangelnden oder stark erhöhten Liquidität sind und wie Sie als Unternehmen Ihre Liquidität stärken können.

 

1. Was bedeutet Liquidität?

 

Um mögliche schwerwiegende finanzielle Schäden zu vermeiden, ist es wichtig, offene Rechnungen fristgerecht zu bezahlen. Dafür benötigen Sie genügend Liquidität. Das bedeutet, dass ein Unternehmen liquide ist, wenn es über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, um alle fälligen Rechnungen zu bezahlen. Sollte die Liquidität eines Unternehmens zu niedrig sein, ist es nicht dazu in der Lage, seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Dies kann zu weiteren Kosten und schlimmstenfalls zu einer Insolvenz führen.

a. Kurzfristige Liquidität

Das ist die Liquidität, die ein Unternehmen in einem Zeitraum von unter einem Jahr besitzt. Dabei handelt es sich um eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, welche Auskunft darüber geben kann, ob es für ein Unternehmen möglich ist, offene Rechnungen fristgerecht zu bezahlen. Dadurch ist erkennbar, wie die finanzielle Lage im Unternehmen aktuell aussieht und ob eine mögliche Insolvenz drohen könnte. Die kurzfristige Liquidität hilft besonders potenziellen Geschäftspartner bei der Entscheidung einer Zusammenarbeit. Eine schlechte kurzfristige Liquidität weist darauf hin, dass das Unternehmen Rechnungen möglicherweise nicht fristgerecht begleichen kann.

b. Langfristige Liquidität

Die langfristige Liquidität betrachtet einen Zeitraum von etwa fünf Jahren und mehr. Auch hier stellt sich die Frage, ob das Unternehmen offene Rechnungen fristgerecht begleichen kann. Somit kann mit der langfristigen Liquidität überprüft werden, wie kreditwürdig ein Unternehmen und wie hoch die langfristige finanzielle Stabilität ist. Die langfristige Liquidität ist auch für mögliche Geschäftspartner und interessierte Investoren relevant, da diese damit bewerten können, ob sich eine langfristige Zusammenarbeit oder Investition lohnen würde.

 

2. Liquiditätsgrade

Es ist möglich zu berechnen, wie liquide ein Unternehmen ist. Dabei wird die Liquidität in drei verschiedene Grade unterteilt. Diese Kennzahlen geben den Unternehmen, interessierten Investoren und potenziellen Geschäftspartnern eine bessere Einsicht darüber, in welcher finanziellen Lage sich das Unternehmen befindet. Dabei untersucht jeder Liquiditätsgrad Kennzahlen des Unternehmens im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten, um somit Aussagen über die Zahlungsfähigkeit zu ermöglichen.

a. Liquidität 1. Grades

Die Liquidität 1. Grades wird oftmals auch als Barliquidität oder Cash Ratio bezeichnet. Dabei werden die flüssigen Mittel eines Unternehmens zu ihren kurzfristigen Verbindlichkeiten ins Verhältnis gesetzt. Anschließend kann mit dem Ergebnis die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens besser interpretiert und bewertet werden. Sollte diese Kennzahl über 100% liegen, kann das Unternehmen alle bestehenden kurzfristigen Verbindlichkeiten mit seinen liquiden Mitteln bezahlen. Allerdings ist der 1. Grad meist in einem Bereich zwischen 10% und 30%. Die Barliquidität kann mit der folgenden Formel berechnet werden:

Liquidität 1. Grades = (flüssige Mittel) / (kurzfristige Verbindlichkeiten) * 100%

Nach Berechnung der kurzfristigen Liquidität kann das Ergebnis eine nähere Einsicht darüber geben, ob das betroffene Unternehmen kurzfristige Zahlungen fristgerecht begleichen kann. Dabei beschreiben flüssige Mittel hauptsächlich jegliche Bankkonten und Kassenbestände, die ein Unternehmen besitzt. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens sind alle Rechnungen und Verbindlichkeiten, die innerhalb der nächsten 12 Monate zu begleichen sind. Dazu gehören auch Steuerrückstellungen und sonstige Rückstellungen, die in diesen Zeitraum fallen.

b. Liquidität 2. Grades

Die Liquidität 2. Grades, auch einzugsbedingte Liquidität oder Quick Ratio genannt, inkludiert neben den flüssigen Mitteln auch die kurzfristigen Forderungen in die Rechnung. Diese werden erneut den kurzfristigen Verbindlichkeiten ins Verhältnis gesetzt. Mit dieser Kennzahl kann genauer überprüft werden, wie sehr die kurzfristigen Verbindlichkeiten von den Forderungen und flüssigen Mitteln eines Unternehmens gedeckt werden. Optimal ist ein Ergebnis zwischen 100% und 120%. Die Formel für das Berechnen des 2. Grades lautet wie folgt:

Liquidität 2. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) / (kurzfristige Verbindlichkeiten) * 100%

Sollte das Ergebnis dieser Berechnung unter 100% liegen, könnte das ein Indiz dafür sein, dass der Lagerbestand des Unternehmens zu hoch ist. Der Grund dafür könnte beispielsweise ein mangelnder Umsatz sein. Die Kennzahl sollte jedoch auch nicht zu hoch sein. Dies könnte bedeuten, dass das Liquiditätsmanagement des Unternehmens nicht optimal und effizient genug ist.

c. Liquidität 3. Grades

Die umsatzbedingte Liquidität oder Current Ratio ist die Liquidität 3. Grades. Hier werden den flüssigen Mitteln und kurzfristigen Forderungen zusätzlich die Vorräte addiert und anschließend ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt. Das Ergebnis der Berechnung sollte mindestens 120% betragen. Der 3. Grad lässt sich so berechnen:

Liquidität 3. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Vorräte) / (kurzfristige Verbindlichkeiten) * 100%

Wenn diese Kennzahl deutlich unter 120% liegt, kann dies ein Anzeichen dafür sein, dass es Schwierigkeiten beim Absatz gibt. Liegt der Wert jedoch deutlich über den 120%, besteht die Möglichkeit, dass im Lager viel zu viele Produkte liegen, was die Lagerkosten erhöhen kann. Zudem ist dies ein Indiz dafür, dass das Unternehmen zu viele ungenutzte finanzielle Mittel besitzt.

 

3. Was passiert bei mangelnder Liquidität?

 

Ein Unternehmen, welches nicht liquide genug ist, wird Schwierigkeiten bekommen, fällige Rechnungen fristgerecht zu begleichen. Sollte das Unternehmen somit seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können, folgen in der Regel Mahnungen mit zusätzlichen Kosten und Zinsen (falls zusätzliche Kredite bei Banken aufgenommen werden müssen). Mangelnde Liquidität ist besonders problematisch, wenn Geschäftspartner die Verzögerungen nicht mehr nachvollziehen können und nicht mehr auf die fälligen Begleichungen der Rechnungen warten möchten. Somit könnte die mangelnde Liquidität die Zusammenarbeit mit Lieferanten und weiteren Geschäftspartnern bedrohen, was negative Auswirkungen auf die Unternehmensprozesse haben kann.

Ein weiteres mögliches Szenario ist, dass Lieferanten verlangen, dass Sie die Vorkasse als Zahlungsart auswählen. Dadurch wird das Risiko von verzögerten oder ausgefallenen Zahlungen für den Lieferanten minimiert. Für Sie als Unternehmen bedeutet das jedoch, dass die mangelnde Liquidität weiterhin beansprucht werden muss. Wenn ein Unternehmen nur kurzfristig Probleme damit hat, fällige Rechnungen zu begleichen, spricht man von einem Liquiditätsengpass. Langfristig gilt ein Unternehmen dann als zahlungsunfähig. Eine langfristige Zahlungsunfähigkeit folgt dazu, dass die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens stark beschädigt werden kann. Dies kann zu weiteren Problemen führen- bis hin zur Insolvenz des Unternehmens.

 

4. Was passiert bei zu hoher Liquidität?

Während die Folgen einer mangelnden Liquidität deutlich negative Auswirkungen auf das Unternehmen hat, sollte auch eine zu hohe Liquidität nicht vernachlässigt werden. Zu viel Liquidität kann zu Problemen führen, da dies auch bedeutet, dass die verfügbaren finanziellen Mittel vom Unternehmen nicht genutzt wird. Sollten also zu viele flüssigen Mittel zur Verfügung stehen, wird zu viel Geld nicht gewinnbringend eingesetzt, da das Geld auf dem Bankkonto nur gering verzinst wird. Dies zeigt, dass das Unternehmen nicht genug investiert und somit kein Wachstum fördert. Zudem besteht bei Geld, welches nicht investiert wird, ein erhöhtes Inflationsrisiko.

Wenn kurzfristige Forderungen besonders hoch sind, ist dies an sich kein großes Problem. Gegenteilig, dies zeigt, dass ein Unternehmer viel verkauft. Allerdings kann es passieren, dass einige Kunden die Forderungen nicht erfüllen können. Hierbei ist es somit wichtig, darauf zu achten, ein gut organisiertes Mahnwesen zu pflegen, sodass die offenen Rechnungen der Kunden auch beglichen werden. Besonders hohe Vorräte im Unternehmen können hohe Kosten verursachen. Das liegt daran, dass somit hohe Lagerkosten anfallen. Das zeigt auch, dass das Unternehmen nicht viele Waren verkauft. Wie hoch die Vorräte sein sollten, ist jedoch abhängig von der Branche.

 

5. Wie kann die Liquidität eines Unternehmens gestärkt werden?

Um liquider zu werden, sollten Sie in eine gute Liquiditätsplanung investieren. Hierbei werden alle Zahlungsströme, welche im Unternehmen stattfinden, aufgezeichnet. Damit haben Sie einen besseren Überblick darüber, zu welchem Zeitpunkt Sie welche Liquidität besitzen. Damit können Sie besser vorausplanen, da Sie stets wissen, wie viele flüssigen Mittel für Ihre Geschäfte verfügbar sind und wann Sie sich möglicherweise in einem Liquiditätsengpass befinden. So können Sie bevorstehende Investitionen so planen, damit stets genügend Liquidität vorhanden ist.

Generell müssen für eine gute Liquidität der Umsatz Ihres Unternehmens erhöht und die Kosten verringert werden. Sollte Ihr Unternehmen nicht liquide genug sein, können Sie die Liquidität mit Factoring stärken. Factoring ist der Verkauf von Forderungen. Das bedeutet, Sie können offene Forderungen, die Sie von Ihren Kunden besitzen, an sogenannte Factoring-Unternehmen gegen eine Gebühr verkaufen. Somit kommt es schneller zu Zahlungseingängen, die aufgrund der Gebühr jedoch etwas geringer ausfallen. Factoring ist besonders empfehlenswert, wenn Sie glauben, dass es bei der entsprechenden Forderung zu einem Zahlungsausfall oder einer Zahlungsverzögerung kommen könnte. Dazu gehören beispielsweise Forderungen von Kunden, die in der Vergangenheit bereits negativ aufgefallen sind.

Eine weitere Möglichkeit, die ein Unternehmen nutzen kann, um liquider zu werden, ist die Gewinnthesaurierung. Die Gewinnthesaurierung ist das Einbehalten von Gewinnen. Dies sollte jedoch begrenzt genutzt werden. Eine Gewinnthesaurierung ist optimal, um ein Unternehmen vor einem Liquiditätsengpass zu schützen. Allerdings sollte dies nicht auf Dauer in großen Höhen stattfinden. Letztlich kann eine Kapitalerhöhung helfen, liquider zu werden. Jedoch ist dies nur für größere Unternehmen relevant. So können diese beispielsweise ihre Geschäftsanteile verkaufen oder neue Aktien ausgeben.

 

6. Wie kann abilita mit Ihrer Liquidität helfen?

Eine starke Liquidität ist für jedes Unternehmen besonders wichtig. Sollten Sie nicht liquide genug sein, kann es zu schwerwiegenden Folgen kommen, welche schlimmstenfalls zu einer Insolvenz führen. Bei Fragen rund ums Thema Liquidität ist abilita für Sie da. Wir beraten Sie gerne und finden gemeinsam Maßnahmen, um Ihre Liquidität vorauszuplanen und zu stärken. abilita. das rechnet sich.

FAQ

Was ist die Liquidität?

Wenn ein Unternehmen liquide ist, ist es in der Lage, alle seine fälligen Rechnungen fristgerecht zu bezahlen. Die Liquidität kann berechnet werden, wobei sie in drei Grade unterteilt wird.

Was sind die Folgen mangelnder Liquidität?

Sollte ein Unternehmen nicht genügend Liquidität besitzen, ist es nicht in der Lage, alle fälligen Rechnungen zu begleichen. Dies führt zu weiteren Zahlungsverzögerungen, was schlimmstenfalls zu einer Insolvenz führen kann.

Wie kann die Liquidität eines Unternehmens verbessert werden?

Um die Liquidität eines Unternehmens zu stärken, sollten Sie in eine gut organisierte Liquiditätsplanung investieren. Zudem können Sie Ihre Forderungen verkaufen, Gewinn thesaurieren oder Ihr Kapital z. B. mit der Ausgabe neuer Aktien erhöhen.

Über die Autorin

Elisabeth Eichenseer arbeitet seit über zehn Jahren als Inkassosachbearbeiterin bei abilita. Sie betreut vorrangig Großkunden (Key Account Management) und das Auslandsinkasso, führt das operative Tagesgeschäft im kaufmännischen Mahnwesen durch und wirkt bei der Umsetzung und Betreuung von IT-Projekten mit. Aufgrund ihrer zahlreichen Fort- und Weiterbildungen ist sie bei abilita Ausbilderin und Teamleiterin im Inkasso.