Stilles Factoring

Was ist stilles Factoring und wie läuft dieses ab?

Eine Möglichkeit, um mehr Liquidität in Ihrem Unternehmen bereitzustellen, ist das sogenannte Factoring. Hierbei können Sie offene Forderungen an entsprechende Factoring-Unternehmen verkaufen. Dabei können Sie sich für verschiedene Arten des Factorings entscheiden. Stilles Factoring wird gern genutzt, wenn beispielsweise ein Abtretungsverbot vorliegt. Dem Kunden muss nicht offengelegt werden, dass die Forderung verkauft wird. Damit bleibt die Beziehung zu dem Kunden ohne mögliche Beeinträchtigungen bestehen und auch der mögliche Anschein von wirtschaftlichen Problemen kann vermieden werden.

Doch warum ist es vorteilhaft, sich für stilles Factoring zu entscheiden? Und wie genau läuft stilles Factoring ab? Erfahren Sie hier auf abilita, welche Kosten stilles Factoring verursacht, wie sich stilles Factoring vom offenen Factoring unterscheidet und vieles weiteres Wissenswerte über das Themengebiet.

1. Was ist stilles Factoring?

Ein Unternehmen hat viele verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten. Eine davon ist das sogenannte Factoring. Hierbei werden offene Forderungen an ein Factoring-Unternehmen (Factor) verkauft. Dies kann sowohl die Liquidität Ihres Unternehmens direkt verbessern, als auch vor Zahlungsausfällen schützen. Factoring ist besonders hilfreich, wenn Kunden ihre Rechnungen nicht fristgerecht begleichen können oder die Begleichung bewusst aufschieben.

Dabei können Sie sich als Unternehmen für verschiedene Arten des Factorings entscheiden. Stilles Factoring wird oft verwendet, wenn die Gefahr besteht, dass Kunden der Forderungsabtretung nicht zustimmen. Entscheiden Sie sich für stilles Factoring, wird der Forderungsverkauf dem Kunden nicht offengelegt. Anstatt die Zahlung auf ein Konto des Factoring-Unternehmens zu tätigen, überweist der Kunde den offenen Betrag auf Ihr Unternehmenskonto. Dieser Betrag ist entsprechend an den Factor abgetreten. Oder es wird ein extra Konto für diese Forderungen eingerichtet und an den Factor abgetreten. In beiden Fällen merkt der Kunde nicht, dass seine Forderung verkauft wurde.

Um stilles Factoring nutzen zu können, erwartet der Factor, dass Sie als Unternehmen gewisse Voraussetzungen erfüllen. Zunächst sollten Sie eine gute Bonität sowie positive Wirtschaftsauskünfte vorweisen können. Auch eine stetige Ertragslage und ein organisiertes Debitorenmanagement werden vorausgesetzt. Die Branche, in welcher Sie tätig sind, ist für stilles Factoring ebenfalls entscheidend. So wird stilles Factoring oftmals abgelehnt, wenn das Forderungsausfall- oder Insolvenzrisiko in Ihrer Branche besonders hoch ist.

a. Vorteile des stillen Factorings

Ein großer Vorteil des stillen Factorings ist, dass die Forderungsabtretung dem Kunden gegenüber nicht offengelegt wird. Somit bleibt das Kundenvertrauen erhalten und es kommt zu keinen Beeinträchtigungen oder Missverständnissen.

Zudem kann alleine der Verkauf von Forderungen einen Eindruck von wirtschaftlichen Problemen erwecken, auch wenn diese gar nicht bestehen. Stilles Factoring kann diesen Eindruck aber komplett vermeiden, da der Kunde nichts von der Forderungsabtretung erfährt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie als Unternehmen auch bei einem in den AGB verankerten Abtretungsverbot stilles Factoring nutzen können.

b. Nachteile des stillen Factorings

Nicht jeder Factor bietet stilles Factoring an. Oftmals wird das sogenannte offene Factoring bevorzugt. Die genauen Unterschiede zwischen offenen Factoring und stillen Factoring werden in Absatz 4. näher erläutert.

Im Vergleich zum stillen Factoring besteht beim offenen Factoring eine höhere Transparenz und somit mehr Sicherheit. Da stilles Factoring dem Kunden nicht offenbart, dass die Forderung verkauft wurde, kann der Factor aufgrund mangelnder Informationen über den Kunden das bestehende Ausfallrisiko schlecht einschätzen.

Somit ist das Risiko im Vergleich zu anderen Factoring-Arten erhöht. Aus diesem Grund ist stilles Factoring im Vergleich mit offenem Factoring oft mit höheren Kosten verbunden.

 

2. Wie läuft stilles Factoring ab?

Entscheiden Sie sich für stilles Factoring, wird eine offene Forderung an die Factoring-Gesellschaft verkauft, ohne dies dem Kunden mitzuteilen. Bei anderen Factoring-Arten, wie beispielsweise dem offenen Factoring, wird dies offengelegt und der Debitor gebeten, den ausstehenden Betrag direkt auf das Konto des Factors zu überweisen. Darauf wird beim stillen Factoring verzichtet.

Stattdessen wird ein neues Geschäftskonto eröffnet und an den Factor abgetreten. Allerdings läuft das Konto weiterhin auf den Namen Ihres Unternehmens. Der Kunde wird gebeten, auf dieses Konto zu überwiesen und  bezahlt auf dieses Konto. Somit tätigt der Debitor die Zahlung, ohne von der Forderungsabtretung zu erfahren.

 

3. Was kostet stilles Factoring?

Für die Abtretung von Forderungen erhebt die Factoring-Gesellschaft Gebühren. Stilles Factoring ist im Gegensatz zu anderen Factoring-Arten meist kostenintensiver. Das liegt daran, dass die Abtretung verdeckt ist und somit weniger Transparenz besteht. Dies erhöht das Ausfallrisiko für das Factoring-Unternehmen. Aus diesem Grund entstehen für Ihr Unternehmen erhöhte Kosten.

Dennoch wird stilles Factoring gern und häufig genutzt. Letztendlich ist es für viele Unternehmen wirtschaftlicher, erhöhte Kosten für den Factor zu tragen und dafür sofort liquide zu sein, anstatt im schlimmsten Fall, den kompletten Zahlungsausfall tragen zu müssen.

4. Was ist der Unterschied zum offenen Factoring?

Der bedeutende Unterschied zwischen offenem -und stillen Factoring wird bereits im Namen deutlich. Stilles Factoring offenbart die Forderungsabtretung nicht. Beim offenen Factoring wird der Zahlungspflichtige hingegen über den Verkauf der Forderung informiert.

Dafür wird die Rechnung mit einem Abtretungsvermerk versehen. Dieser Vermerk fehlt bei dem stillen Factoring. Zusätzlich wird Ihr Kunde aufgefordert, den Betrag der fälligen Rechnung nicht an Sie, sondern an den Factor zu überweisen.

 

5. Was sind weitere Arten des Factorings?

Neben dem offenen und stillen Factoring gibt es zahlreiche weitere Factoring-Arten. Diese unterscheiden sich unter anderem darin, wer das Risiko eines Zahlungsausfalls trägt oder wer für das Debitorenmanagement verantwortlich ist. Im Folgenden haben wir einige wichtige Factoring-Arten für Sie zusammengefasst:

a. Echtes und unechtes Factoring

Bei dem echten Factoring wird von dem Factor das komplette Zahlungsausfallrisiko übernommen. Sollte der Kunde die Rechnung nicht begleichen, trägt das Factoring-Unternehmen das Ausfallrisiko.

Anders ist es bei dem unechten Factoring. Hier ist die Rückabwicklung des Forderungskaufs erlaubt, wenn der Debitor die offene Rechnung beispielsweise nicht bezahlt oder die Forderung anderweitig ausfällt. Das bedeutet, dass beim Ausfall einer Rechnung Sie als Unternehmen die Kosten hierfür tragen müssen.

In Deutschland wird überwiegend das echte Factoring genutzt.

b. Fälligkeitsfactoring

Bei dem Fälligkeitsfactoring erhalten Sie als Unternehmen den ausstehenden Betrag erst, wenn die Rechnung fällig ist. Allerdings ist der Factor dafür verantwortlich, die Begleichung der offenen Forderung einzutreiben. International wird Fälligkeitsfactoring auch Maturity Factoring genannt.

c. Full-Service-Factoring und Inhouse-Factoring

Entscheiden Sie sich für das Full-Service-Factoring, werden Sie vor möglichen Zahlungsausfällen geschützt. Des Weiteren übernimmt das Full-Service-Factoring neben der Finanzierungsfunktion auch das Debitorenmanagement für Sie. Somit ist der Factor für das Inkasso, Mahnwesen und die Debitorenbuchhaltung verantwortlich.

Bei dem sogenannten Inhouse-Factoring können Sie noch nicht fällige Rechnungen verkaufen. Jedoch müssen Sie das Mahnwesen bei fälligen Forderungen selbst übernehmen. Dies kann Ihnen einige Kosten sparen.

FAQ

Was ist stilles Factoring?

Beim stillen Factoring werden offene Forderungen an ein Factoring-Unternehmen (Factor) verkauft. Dabei wird dem Kunden nicht offenbart, dass die entsprechende Rechnung abgetreten wurde.

Warum ist stilles Factoring hilfreich?

Dem Kunden wird nicht kommuniziert, dass die Forderung abgetreten wurde. Dies hält das bestehende Kundenvertrauen aufrecht. Mögliche Gerüchte über wirtschaftliche Schwierigkeiten im Unternehmen werden vermieden.

Was ist der Unterschied zum offenen Factoring?

Beim offenen Factoring wird dem Kunden direkt kommuniziert, dass die Forderung abgetreten wurde. Darauf wird beim stillen Factoring verzichtet.

Über den Autor

Peter Lindenmayer ist Gründer und Geschäftsführer der abilita GmbH. Er verantwortet seit 2004 insbesondere die Bereiche Unternehmensstrategie sowie Marketing und Vertrieb. Dabei kann er auf über 15 Jahre Erfahrung in den Bereichen Forderungsmanagement, eCommerce, Online-Payment, Risikomanagement und Business Development zurückgreifen.