Wirtschafts­auskunftei

Was macht eine Wirtschaftsauskunftei?

Möchte eine Privatperson einen Kredit beantragen, prüft die Bank die Kreditwürdigkeit. Die zur Beurteilung notwendigen Daten werden bei einer Wirtschaftsauskunftei abgefragt. Diese Unternehmen sammeln Daten und nutzen interne Logarithmen, um die Bonität des Kreditnehmers zu berechnen. Hierfür greift eine Wirtschaftsauskunftei auf öffentlich zugängliche Daten sowie auf Informationen von Geschäftspartnern zurück.

Doch welche Wirtschaftsauskunfteien sind in Deutschland tätig? Und welche Daten werden genau gesammelt? Hier auf abilita erfahren Sie, wo und wie Wirtschaftsauskunfteien Ihre Daten sammeln, wer diese abfragen darf und vieles weitere Wissenswerte rund um eine Wirtschaftsauskunftei.

1. Was ist eine Wirtschaftsauskunftei?

Die sogenannte Kreditwürdigkeit beschreibt, wie wahrscheinlich es ist, dass die entsprechende Person Rechnungen fristgerecht und vollständig begleicht. Dabei ist es die Aufgabe einer Wirtschaftsauskunftei, aussagekräftige Daten zu sammeln und auszuwerten, um diese anschließend aufbereitet weiterzugeben.

Unternehmen mit einem berechtigten Interesse können Wirtschaftsauskunfteien kontaktieren und eine Datenabfrage starten, um Informationen über das Zahlungsverhalten eines anderen Unternehmens oder einer Privatperson zu erhalten. Die Kreditwürdigkeit ist ein besonders wichtiger Faktor, sollten Sie einen Kredit beantragen wollen. Aus diesem Grund zählen Banken zu regelmäßigen Anfragestellern bei einer Wirtschaftsauskunftei.

Doch nicht nur für Kreditgeschäfte werden Wirtschaftsauskunfteien benötigt. Sollten Sie beispielsweise einen Miet-, Kauf- oder Leasingvertrag abschließen wollen, wird auch in diesem Fall ausreichend Kreditwürdigkeit vorausgesetzt und entsprechend bei einer Wirtschaftsauskunftei abgefragt.

Die bekannteste Wirtschaftsauskunftei in Deutschland ist die SCHUFA. Jedoch gibt es hierzulande noch einige weitere Wirtschaftsauskunfteien.

a. SCHUFA

SCHUFA ist die Abkürzung für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherheit“. Dieses Unternehmen ist die größte Wirtschaftsauskunftei in Deutschland. Ziel des Unternehmens ist es, Informationen zu sammeln, zu verarbeiten und aufbereitet Dritten mitzuteilen. Aktuell (Stand 2021) handelt die Wirtschaftsauskunftei mit Daten von rund 68 Millionen Personen.

Die SCHUFA erhält ihre Daten von öffentlich zugänglichen Verzeichnissen. Des Weiteren arbeitet die Wirtschaftsauskunftei mit über 9.000 Unternehmen zusammen. Dazu gehören unter anderem Banken, Handelsfirmen oder auch Telekommunikationsunternehmen. Diese teilen ihr Wissen und ihre Informationen über die Zahlungsdisziplin von Kunden mit der SCHUFA.

b. Creditreform Boniversum

Creditreform Boniversum agiert als Wirtschaftsauskunftei, jedoch ist das Unternehmen auch als Inkassodienstleister tätig. Dadurch kann das Unternehmen gesammelte Daten über Mahn- und Inkassoverfahren für die Bewertung der Kreditwürdigkeit nutzen. Darüber hinaus nutzt Creditreform Boniversum öffentliche Register und fragt dort beispielsweise Jahresabschlüsse von Unternehmen oder Handelsregistereintragungen sowie die Zahlungserfahrungen von Unternehmenskunden ab.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform Boniversum besitzt Informationen und Datensätze zu ca. 55 Millionen Bundesbürgern.

c. Infoscore Consumer Data

Eine weitere, in Deutschland tätige Wirtschaftsauskunftei ist die Infoscore Consumer Data. Diese hat Daten von über sieben Millionen Bürgern gespeichert. Informationen erhält die Wirtschaftsauskunftei von öffentlichen Registern, Amtsgerichten oder Schuldnerverzeichnissen.

Ergänzend nutzt Infoscore Consumer Data Angaben von Geschäftspartnern. Dazu gehören unter anderem Banken, Inkassounternehmen oder auch Versandhändler.

d. Crif Bürgel

Crif Bürgel ist eine Wirtschaftsauskunftei, welche auch als Dienstleister für Kreditrisikomanagement und Betrugsprävention agiert. Crif Bürgel arbeitet mit Daten von ca. 56 Millionen Menschen.

Größtenteils greift das Unternehmen hierfür auf öffentlich zugängliche Daten zurück. Bei Bedarf und speziellen Anfragen recherchiert Crif Bürgel jedoch auch selbst.

 

2. Was ist der Score?

Wirtschaftsauskunfteien sammeln Daten und verarbeitet diese weiter. Anhand dieser Informationen wird der sogenannte Score berechnet. Der Score gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit und sagt aus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Rechnung vollständig und fristgerecht beglichen wird.

Hierfür nutzt jede Wirtschaftsauskunftei eigene Verfahren, Methoden und Logarithmen, welche jedoch nicht öffentlich preisgegeben werden. Bekannt ist aber, dass Personen mit ähnlichen Charakteristiken und Merkmalen in Vergleichsgruppen zusammengefasst werden. Somit können, basierend auf den jeweiligen Merkmalen, Rückschlüsse über die Zahlungsmoral getroffen werden.

3. Welche Daten werden gesammelt?

Wirtschaftsauskunfteien sammeln viele verschiedene Daten. Diese helfen dabei, Aussagen über das Zahlungsverhalten einzelner Personen oder Firmen zu treffen.

Persönliche Daten wie beispielsweise der Name, Kontaktdaten sowie aktuelle und alte Anschriften werden sowohl von Privatpersonen als auch von Unternehmen gesammelt. Dies dient nicht nur der Identifikation. Sondern diese Daten können auch dafür genutzt werden, um Rückschlüsse auf das Zahlungsverhalten zu ziehen. Personen mit ähnlichen Daten werden hierfür als Vergleich herangezogen.

Für die Einschätzung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen werden darüber hinaus Informationen wie die Rechtsform, der Firmensitz, weitere Niederlassungen, die Branche sowie diverse zusätzliche Angaben gespeichert.

Die wichtigsten Daten für eine Wirtschaftsauskunftei sind Informationen und Angaben zu einer möglichen negativen Zahlungsmoral von Verbrauchern. Anhand dieser Daten aus öffentlichen Quellen oder aus Inkassoverfahren wird der Score berechnet.

Sollten nicht ausreichend Angaben zur Zahlungsmoral vorhanden sein, wird dennoch ein Score und somit die Kreditwürdigkeit berechnet. In diesem Fall werden persönliche Daten genutzt und mithilfe von Vergleichspersonen möglichst treffende Annahmen über das Zahlungsverhalten errechnet.

 

4. Woher bekommen Wirtschaftsauskunfteien die Daten?

Für die genaue Einschätzungen der Kreditwürdigkeit werden möglichst viele aussagekräftige Daten benötigt. Hierfür nutzt eine Wirtschaftsauskunftei sowohl öffentlich -als auch nicht öffentlich zugängliche Informationen.

Beispielsweise dienen Inkassobüros, amtliche Stellen oder auch der Bundesanzeiger als Quellen für eine Wirtschaftsauskunftei. Einige Wirtschaftsauskunfteien arbeiten zudem mit Unternehmen zusammen und erhalten auf diese Weise direkte Informationen über die Zahlungsmoral derer Kunden.

 

5. Wer darf bei einer Wirtschaftsauskunftei Daten abfragen?

Um die Privatsphäre von Verbrauchern zu schützen, sieht das Bundesdatenschutzgesetz vor, dass Unternehmen Daten nur abfragen dürfen, wenn ein berechtigtes Interesse besteht. Dies ist der Fall, wenn das Unternehmen beispielsweise aufgrund einer Lieferung auf Rechnung ein finanzielles Risiko eingeht. Es ist verpflichtend, dass das berechtigte Interesse bei jeder Abfrage abgefragt wird.

Besonders häufig werden Informationen von einer Wirtschaftsauskunftei auch von Banken abgefragt. Diese Daten dienen als Entscheidungsgrundlage dafür, ob beispielsweise ein Kredit vergeben werden soll oder nicht. Zusätzlich beeinflussen die Informationen von Wirtschaftsauskunfteien, wie hoch die Zinsen ausfallen werden. Je negativer die Kreditwürdigkeit, desto höher das Risiko für die Bank. Folglich würde in solch einem Fall der Zinssatz höher angesetzt werden.

Auch Vermieter haben ein berechtigtes Interesse an den Daten der Wirtschaftsauskunftei. So informieren sich diese vorab über potenzielle Mieter, um sich vor nicht fristgerecht geleisteten Zahlungen oder kompletten Zahlungsausfällen zu schützen.

Für Privatpersonen besteht die Möglichkeit der Selbstauskunft. Diese kann auf der Webseite der entsprechenden Wirtschaftsauskunftei beantragt werden.

 

6. Wie müssen Sie bei falschen Einträgen vorgehen?

Negative Einträge können Geschäfte oder Kreditvergaben erschweren. Aus diesem Grund ist es wichtig, bei falschen Einträgen sofort zu handeln und diese korrigieren zu lassen. Falsche Daten können gelöscht, gesperrt oder berichtigt werden.

Im Falle von gesperrten Daten dürfen diese nicht an Dritte weitergegeben werden. Auch die Tatsache, dass Informationen gesperrt sind, unterliegt der Geheimhaltung.

Es ist sinnvoll, die betroffene Wirtschaftsauskunftei zu kontaktieren, sollten fehlerhafte persönliche Daten oder inkorrekte Forderungen vorliegen. Wenn Forderungen eingetragen sind, die bereits beglichen wurden, sollten Sie sich direkt bei dem entsprechenden Unternehmen melden.

FAQ

Was ist eine Wirtschaftsauskunftei?

Eine Wirtschaftsauskunftei sammelt Daten und berechnet daraus die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen und Unternehmen.

Welche Wirtschaftsauskunfteien gibt es?

Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei ist die SCHUFA. Weitere Wirtschaftsauskunfteien sind beispielsweise Creditreform Boniversum, Infoscore Consumer Data oder Crif Bürgel.

Welche Daten werden von Wirtschaftsauskunfteien gesammelt?

Wirtschaftsauskunfteien sammeln persönliche Daten wie Anschrift und Name. Zusätzlich erhalten viele Wirtschaftsauskunfteien Informationen von Unternehmen und Geschäftspartnern, welche Erfahrungen über die Zahlungsmoral ihrer Kunden teilen.

Über die Autorin

Elisabeth Eichenseer arbeitet seit über zehn Jahren als Inkassosachbearbeiterin bei abilita. Sie betreut vorrangig Großkunden (Key Account Management) und das Auslandsinkasso, führt das operative Tagesgeschäft im kaufmännischen Mahnwesen durch und wirkt bei der Umsetzung und Betreuung von IT-Projekten mit. Aufgrund ihrer zahlreichen Fort- und Weiterbildungen ist sie bei abilita Ausbilderin und Teamleiterin im Inkasso.