Zahlungsfähigkeit

Was ist Zahlungsfähigkeit und wie wird diese beurteilt?

Damit Geschäfte reibungslos ablaufen können, ist es wichtig, dass beide Geschäftspartner ihre Pflichten erfüllen. Die Pflicht des Gläubigers ist die Lieferung oder Leistung und die Pflicht des Schuldners ist die Bezahlung des vereinbarten Betrages. Ist der Schuldner in der Lage, die fällige Rechnung fristgerecht zu begleichen, ist dieser zahlungsfähig. Die Zahlungsfähigkeit ist für viele Unternehmen die Voraussetzung dafür, ein Geschäft einzugehen. Auf diese Weise können sie sich vor Zahlungsausfällen schützen.

Doch wie genau kann die Zahlungsfähigkeit beurteilt werden? Und wann ist ein Unternehmen zahlungsunfähig? Hier auf abilita erfahren Sie, was die Folgen bei mangelnder Zahlungsfähigkeit sind und wie Sie Ihre Zahlungsfähigkeit sicherstellen können.

1. Was bedeutet Zahlungsfähigkeit?

Ist ein Unternehmen oder eine Privatperson dazu in der Lage, alle fälligen Zahlungen gegenüber einem Gläubiger leisten zu können, besteht Zahlungsfähigkeit.
Im Gegensatz dazu: Ist es einem Schuldner nicht möglich, fällige Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu bezahlen, ist dieser zahlungsunfähig.

Die Zahlungsfähigkeit ist die Grundlage für jedes Unternehmen, Geschäfte erfolgreich durchführen zu können. Sie zeigt möglichen Geschäftspartnern, ob fällige Verbindlichkeiten fristgerecht beglichen werden können oder nicht. Fehlt die Zahlungsfähigkeit und weist ein Unternehmen somit eine schlechte Liquidität auf, stellt dies große Probleme dar, wodurch der Geschäftsbetrieb des Unternehmens stark beeinträchtigt werden kann.

Auch Ihr Geschäftspartner sollte Zahlungsfähigkeit aufweisen. Denn ist dieser zahlungsunfähig, ist es wahrscheinlich, dass die entsprechende Rechnung nach der erbrachten Lieferung oder Leistung nicht bzw. erst verspätet beglichen wird. Dies kann zu großen finanziellen Problemen führen.

2. Was bedeutet Zahlungsunfähigkeit?

Zahlungsunfähigkeit bedeutet, dass ein Unternehmen oder eine Privatperson nicht dazu in der Lage ist, fälligen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen und diese zu begleichen. Hierbei ist es wichtig, die Zahlungsunfähigkeit von der Zahlungsunwilligkeit zu unterscheiden. Zahlungsunwilligkeit liegt vor, wenn der Schuldner seine Rechnungen zwar begleichen kann, es aber bewusst nicht tut.

Ist ein Schuldner zahlungsunfähig, bedeutet dies, dass ein Mangel an liquiden Mitteln besteht und dieser seine fälligen Schulden nicht fristgerecht begleichen kann. Tritt diese Situation ein, ist es für den Gläubiger möglich, auf die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners einzugehen. Hierfür kann etwa Ratenzahlung vereinbart, oder das Zahlungsziel verlängert werden. Zudem ist es möglich, einen Schuldenerlass auszusprechen.

3. Wie wird Zahlungsfähigkeit beurteilt?

Um Aussagen über die Zahlungsfähigkeit zu treffen, muss die Liquidität eines Unternehmens analysiert werden. Dafür können Kennzahlen der Liquiditätsgrade genutzt werden. Diese können einen allgemeinen Überblick über die Finanzen und die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens geben.

Dabei informiert der Liquiditätsgrad ausschließlich über die momentane Lage. Um genauere langfristige Informationen zu erhalten, ist es empfehlenswert, die Liquiditätsgrade regelmäßig zu erfassen und zu vergleichen. Es wird zwischen drei Liquiditätsgraden unterschieden, welche Ihnen im Folgenden näher vorgestellt werden:

a. Liquiditätsgrad 1

Der 1. Liquiditätsgrad beschreibt das Verhältnis von den kurzfristigen Verbindlichkeiten zu den flüssigen Mitteln eines Unternehmens. Die flüssigen Mittel beinhalten sämtliche Bankguthaben, Bargeld und Vermögensgegenstände, welche innerhalb kürzester Zeit liquidierbar sind (z.B. börsengehandelte Aktien).

Liquiditätsgrad 1 in Höhe von 100 % würde beschreiben, dass kurzfristige Verbindlichkeiten eines Unternehmens komplett durch flüssige Mittel gedeckt werden können. Solch ein hoher 1. Liquiditätsgrad wird jedoch selten erreicht. Branchenabhängig sollte der Liquditätsgrad 1 zwischen 10-30% betragen.

b. Liquiditätsgrad 2

Um den 2. Liquiditätsgrad berechnen zu können, müssen die kurzfristigen Forderungen und die flüssigen Mittel eines Unternehmens mit den kurzfristigen Verbindlichkeiten ins Verhältnis gesetzt werden.

Kurzfristige Forderung sind unter anderem Forderungen aus Lieferungen und Leistungen oder mögliche Forderungen aus Vermietung und Verpachtung. Optimal für die Zahlungsfähigkeit ist ein 2. Liquiditätsgrad in Höhe von 100 %. In diesem Fall ist das Unternehmen dazu in der Lage, kurzfristige Verbindlichkeiten komplett mit den vorhandenen flüssigen Mitteln und kurzfristigen Forderungen zu decken.

c. Liquiditätsgrad 3

Der 3. Liquiditätsgrad setzt die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem vollständigen Umlaufvermögen ins Verhältnis.

Das Umlaufvermögen beinhaltet unfertige Erzeugnisse oder Vorräte des Unternehmens. Der 3. Liquiditätsgrad ist wichtig, da dieser auch von Banken bei einer möglichen Kreditvergabe berücksichtigt wird.

Unternehmen mit einer optimalen Zahlungsfähigkeit besitzen einen 3. Liquiditätsgrad in Höhe von ca. 200 %. Unternehmen mit solch einem 3. Liquiditätsgrad weisen ein Umlaufvermögen auf, welches doppelt so hoch ist wie deren kurzfristigen Verbindlichkeiten.

 

4. Wie kann Zahlungsfähigkeit sichergestellt werden?

Die eigene Zahlungsfähigkeit ist wichtig für jedes Unternehmen. So muss dafür gesorgt werden, dass jederzeit ausreichend Zahlungsfähigkeit besteht, sodass offene Forderungen von Lieferanten und weiteren Schuldnern fristgerecht bedient werden können. Die fremde Zahlungsfähigkeit von Geschäftspartnern oder Kunden darf ebenfalls nicht vernachlässigt werden, um sicherzustellen, dass eigene Forderungen pünktlich bezahlt werden können.

Infolgedessen ist es empfehlenswert, vor dem Abschluss eines Geschäfts die Zahlungsfähigkeit des Geschäftspartners oder Kunden zu überprüfen. Dadurch lässt sich vermeiden, dass Rechnungen nach einer Lieferung oder Leistung nicht beglichen werden. Hierfür kann beispielsweise vorab eine Bonitätsprüfung bei einer Wirtschaftsauskunftei wie der Schufa erfolgen. Dort können Informationen zur Zahlungsmoral abgefragt werden, etwa ob Rechnungen in der Vergangenheit fristgerecht bezahlt worden sind. Sollte die Zahlungsmoral negativ ausfallen, sollte wohl überlegt werden, ob ein Geschäft eingegangen wird. Durch Vorkasse kann das Risiko vermindert werden.

Zahlungsfähigkeit birgt viele Probleme, weshalb es wichtig ist, die eigene Zahlungsfähigkeit zu jeder Zeit sicherzustellen. Dies kann in Form einer Liquiditätsplanung erfolgen. Durch dieses Instrument haben Sie als Unternehmen einen besseren Überblick über Ihre flüssigen Mittel und auch über ihre allgemeinen Finanzen. Sie können damit kontrollieren, ob stets genügend Mittel zum Begleichen von offenen Forderungen vorhanden sind oder nicht.

Dafür ist es auch hilfreich, die eigenen Kunden und deren Zahlungsmoral und Zahlungsfähigkeit gut zu kennen. Auf diese Weise lässt sich möglicherweise besser einschätzen, wann Zahlungseingänge erfolgen und wann Sie als Unternehmen liquide sind. Zusätzlich können Sie eigene Einkäufe oder Investitionen besser vorausplanen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Zahlungsfähigkeit mit einer organisierten Planung sichergestellt werden kann. So können Engpässe vermieden und stets für ausreichend Liquidität und Zahlungsfähigkeit gesorgt werden.

5. Welche Folgen hat Zahlungsunfähigkeit?

Kann ein Unternehmen seine Zahlungsfähigkeit nicht sicherstellen, wird es schwierig, zukünftig Geschäftspartner zu finden und Lieferungen oder Leistungen zu erhalten. Dies hat schwerwiegende Folgen, da damit auch der weitere Verkauf von Waren eingeschränkt werden könnte. Somit kann mangelnde Zahlungsfähigkeit am Ende zu einem vollständigen Lieferungsstopp führen.

Des Weiteren kann der Gläubiger bei nicht fristgerechten Zahlung Verzugszinsen verlangen. Und der Gläubiger hat außerdem das Recht auf weitere Verzugsstrafen, wenn diese vereinbart wurden. Verzugsstrafen sind in der Regel empfindlich höher und stellen somit eine große finanziellen Gefahr dar.

Eine der problematischsten Folgen der Zahlungsunfähigkeit ist jedoch, dass dadurch Geschäftsbeziehungen negativ beeinflusst und das gegenseitige Vertrauen geschwächt werden kann. So kann ein Unternehmen Geschäftspartner verlieren, wenn es nicht in der Lage ist, Rechnungen fristgerecht zu begleichen.

 

6. Wie können Sie Ihre Zahlungsfähigkeit verbessern?

Damit Sie Ihre Zahlungsfähigkeit sicherstellen und verbessern können, sollten Sie Ihre Liquidität und Ihre Liquiditätsplanung optimieren. Bemühen Sie sich darum, dass Kosten eingespart werden, wann und wo immer dies möglich ist. So ist es beispielsweise einen Versuch Wert, mit Lieferanten zu verhandeln und bessere Preise zu vereinbaren. Oftmals ist es auch möglich, Skonti oder Mengenrabatte zu erhalten.

Überprüfen Sie, ob Sie möglicherweise Anlagegüter besitzen, auf welche verzichtet werden kann. Diese könnten möglicherweise vermietet oder auch verkauft werden. Investieren Sie zusätzlich in ein ordentliches und gut strukturiertes Forderungsmanagement. Oftmals mangelt es an Liquidität, da die eigenen Kunden zahlungsunwillig oder gar zahlungsunfähig sind. Mit strukturiertem Forderungsmanagement und einem gut organisierten Mahnwesen können Sie sicherstellen, dass Ihre Schuldner offene Forderungen schneller begleichen.

FAQ

Was ist Zahlungsfähigkeit?

Zahlungsfähigkeit liegt vor, wenn ein Unternehmen oder eine Privatperson dazu in der Lage ist, fällige Rechnungen fristgerecht zu begleichen.

Was passiert, wenn Sie zahlungsunfähig sind?

Durch eine Zahlungsunfähigkeit besteht das Risiko, Geschäftspartner zu verlieren. Es kann zu Lieferungsstopps kommen, da Sie keine Ware erhalten und somit auch keine eigenen Produkte produzieren und verkaufen können.

Kann die Zahlungsfähigkeit verbessert werden?

Ja, Sie können Ihre Zahlungsfähigkeit verbessern, indem Sie Ihre Liquidität erhöhen. Hierfür können beispielsweise Kosten gesenkt, Anlagevermögen verkauft und in ein strukturiertes Forderungsmanagement investiert werden.

Über den Autor

Johannes Büchner ist echter Regensburger und kam 2021 zu abilita. Nach seinem Studium an der Uni Regensburg war er u.a. bei der Timeless Projects tätig. Jetzt unterstützt der das abilita Team als Key Account Manager und bringt darüber hinaus seine Erfahrung im Vertrieb und Marketing ein.